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An einen Berufspolitiker (14. Juni 1996)

Sehr geehrter Herr ...,

in aller Höflichkeit: Ich möchte nicht versäumen, Sie davon in Kenntnis zu setzen, daß Ihnen heute morgen, kurz vor halb neun Uhr (unterwegs, beim Hören des Deutschlandfunks, und leider, muß ich sagen), eine potentielle Stimme abhanden gekommen ist. Was nutzt es, so frage ich mich, einem Politiker dereinst meine Stimme zu geben, der sich dem Gottesgnadentum schon so nahe zu fühlen scheint, daß ihm legitime (und, mit Verlaub, durchaus nicht unhöfliche) Fragen eines Journalisten so lästig fallen, daß er diesen mit Hinweis auf die einem Politiker gebührende Höflichkeit zurechtzuweisen versucht? Um es ein wenig konstruktiver zu sagen: Wäre es Ihrerseits nicht ehrlicher (und höflicher!) gewesen, auf eine klare Ja/Nein-Frage mit dem Eingeständnis zu antworten, daß Sie auf diese Frage keine Antwort geben wollen oder können? Bei allem Dilemma: Dies wäre überzeugender als Reden um den heißen Brei.

Mit vorzüglicher Hochachtung